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Mühlhausen feierte sein 75-jähriges Jubiläum

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Mühlhausen feierte sein 75-jähriges Jubiläum

Mühlhausen feierte sein 75-jähriges Jubiläum

Die offiziell für 426 Zuschauer ausgelegte Tischtennis-Halle inmitten der historischen Altstadt von Mühlhausen war am vergangenen Samstag am Bersten. Der örtliche Post-Sportverein (SV), der einzige ostdeutsche Tischtennis-Bundesligist bei den Männern, feierte am 13. Juni seinen 75. Geburtstag und hatte zum Jubiläum mit Jan-Ove Waldner und Jörgen Persson zwei frühere Weltstars eingeladen. Die „alten Schweden“ zeigten am Tisch, dass nach wie vor das Publikum zu begeistern wissen. „Diesen Schaukampf hat sich unser langjähriger Vorsitzender Thomas Baier gewünscht und wir haben ihm diesen Wunsch gern erfüllt. Schließlich gehört er dem Verein schon seit 55 Jahren an, das ist so etwas wie sein Lebenswerk“, berichtet SV-Geschäftsführer Thomas Stecher, seit 2019 der erste hauptamtliche Geschäftsführer in der Geschichte des Post SV mit seinen knapp 300 Mitgliedern.

Bei ihnen dreht sich alles um den kleinen runden weißen Kobold. Spätestens seit Mühlhausen 2013 der Sprung in die Elite-Liga gelang und sich dort seither als feste Größe etablierte, ist das Städtchen rund 35 nördlich von Eisenach mit seinen 38.000 Einwohnern bei TT-Freunden bundesweit bekannt. Nicht nur aus der näheren Umgebung strömen die Fans an Liga-Spieltagen in den Thüringer Westen, um das Team mit Spitzenspieler Marcos Freitas aus Portugal, Kay Stumper und Steffen Mengel anzufeuern. Im Publikum sitzen regelmäßig zugleich Gäste aus Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und selbst aus Nordrhein-Westfalen. Vor allem bei TT-Vereinen hat sich herumgesprochen, dass sich ein Wochenend-Ausflug nach Mühlhausen nicht nur aus sportlichen Gründen allemal lohnt.

„Wir freuen uns sehr, inzwischen so etwas wie ein Markenbotschafter für unsere Stadt zu sein“, erklärt Thomas Stecher und verweist auf die familiäre Atmosphäre. Beispielsweise gebe es die Protagonisten nach jedem Heim-Spiel zum Anfassen und zum Plausch auch schon mal beim gemeinsamen Bierchen. Der Physiotherapeut arbeitet ehrenamtlich. Zwei Ärzte betreuen das Team nicht nur medizinisch, sondern wirken darüber hinaus als private Sponsoren. Ein Wohlfühl-Umfeld für die Schützlinge rund um ein Dutzend Übungsleiter mit Chef-Trainer Erik Schreyer an der Spitze, für den es selbstverständlich ist, sich hin und wieder auch um die Mannschaften bis hinunter zur Kreisklasse zu kümmern. Insgesamt acht Herren- und sechs Nachwuchs-Teams sind im Mühlhausen-Trikot im Liga-Alltag unterwegs, hinzu kommt eine Regional-Mannschaft bei den Damen. Kein Wunder, dass an den sieben Tischen in der vereinseigenen Kristan-Halle im Schatten der mächtigen Divi-Blasii-Kirche aus dem 13. Jahrhundert mit ihren beiden Türmen von Montag bis Freitag durchweg Hochbetrieb herrscht und über alle Altersklassen hinweg gewirbelt und geschwitzt wird.  

Ihren Anfang nahm diese Thüringer TT-Erfolgsgeschichte in Mühlhausen 1951 mit der Gründung der Betriebs-Sport-Gemeinschaft (BSG) Post, aus der sechs Jahre später passenderweise ein Oberpostmeister namens Heinz Schneider als WM-Dritter im Einzel hervorging. Seine Bronze-Medaille für die DDR war die erste überhaupt für den deutschen Tischtennis-Sport nach dem Zweiten Weltkrieg. Heinz Schneider, 2007 im Alter von 74 Jahren verstorben, gewann in seiner Karriere nahezu zwei Dutzend nationale Titel, nahm an acht Welt-Championaten teil und gilt in seiner Heimat als Legende. Seine Ehefrau Brigitte, früher selbst erfolgreich am Bällchen, ist noch heute in der Halle ein gern gesehener Gast. Sie ist eine Art „Edel-Fan“ wie Johannes Bruns, der Ober-Bürgermeister seit fast 14 Jahren. Einmal war der 59-Jährige sogar bei einem Auswärtsspiel in der Champions League im russischen Orenburg dabei. Für ihn ist der Post SV zugleich „eine wichtige soziale Größe in der Stadt“. Auch wenn die rund 80 Sportvereine vor Ort allesamt „hervorragende Jugendarbeit“ leisteten, spiele der TT-Verein aufgrund seiner Popularität und seiner Nachwuchsarbeit eine Hauptrolle.

Entsprechend eng ist das Verhältnis zwischen Rathaus und TT-Verein. Aus dem kommunalen Haushalt sind in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig 20.000 bis 30.000 Euro pro Jahr geflossen, vornehmlich um die Halle in Schuss zu halten. Außerdem wirken die örtlichen Stadtwerke sowie die städtische Wohnungs-Gesellschaft als wichtige Unterstützer im Pool der insgesamt rund 50 Sponsoren. Thomas Stecher erinnert sich noch bestens an den Sommer 2013, als die alte DDR-Halle, vom Verein 1998 gekauft, nach dem Aufstieg in die erste Bundesliga komplett entkernt und binnen drei Monaten und vieler ehrenamtlich helfender Hände in eine hochmoderne Trainings- und Spielstätte mit allem Komfort verwandelt wurde. Wohl kaum jemand hätte damals gedacht, dass es den Thüringern gelingen würde, seitdem Jahr für Jahr die Klasse zu halten und in der abgelaufenen Saison unter zwölf Teams auf einem glänzenden fünften Rang einzukommen.

Was mancher für ein „sportliches Wunder“ halten mag, sei Thomas Stecher zufolge das Resultat kontinuierlicher, solider Arbeit mit einem Jahres-Etat „im unteren Mittelfeld“ und laut Ober-Bürgermeister Johannes Bruns „relativ geringen Mitteln“ vor allem gegenüber Top-Vereinen wie Düsseldorf oder Saarbrücken. Während der SPD-Politiker als seinen größten Wunsch äußert, irgendwann solle einmal einem „Eigengewächs“ der Sprung ins Bundesliga-Team gelingen, blickt Thomas Stecher mit einem anderen Gedanken voraus. In Mühlhausen, so seine Vision, sollte so etwas wie eine internationale „Nachwuchs-Akademie“ für europäische Top-Talente entstehen – und vielleicht wird eines Tages die Post als Sponsor einsteigen. Den Namen habe der Verein der Tradition wegen behalten, eine Partnerschaft mit dem Unternehmen gebe es leider nicht. „Das könnte sich aber gern ändern. Wir bringen das Potenzial für eine solche Kooperation mit. Das wäre ein schönes Geschenk zum Jubiläum.“          

 Quelle: Andreas Müller

TTBL Redaktion
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16.06.2026

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