Pokal

Das Pokal-Gespräch mit Matthias Grünenwald (Manager TTC immoXone Bietigheim-Bissingen) und Patrick Franziska (Kapitän 1. FC Saarbrücken-TT): „Es ist wirklich David gegen Goliath“
Drittligist TTC immoXone Bietigheim-Bissingen und Champions-League-Sieger 1. FC Saarbrücken bestreiten beim Leapmotor Pokal Grand Opening in Nürnberg eines der ungleichsten Duelle der deutschen Pokal-Geschichte. Im Interview sprechen Bietigheim-Bissingens Manager Matthias Grünenwald und Saarbrückens Nationalspieler Patrick Franziska über diese Konstellation, die Gesetze des Pokals und ordnen das Event ein.
Matthias Grünenwald, Ihr Team von Drittligist TTC immoXone Bietigheim-Bissingen trifft zu Beginn des Leapmotor Pokal Grand Opening in Nürnberg auf Triple-Gewinner 1. FC Saarbrücken-TT. Kann man auch von der Mutter aller David-gegen-Goliath-Spiele sprechen?
Matthias Grünenwald: Das kann man sicher so sehen, wenn die klassentiefste Mannschaft gegen den Champions-League-Sieger spielt. Saarbrücken läuft wohl auch in Bestbesetzung auf, wir wegen unseres späteren Saisonbeginns noch nicht. Ja, es ist wirklich David gegen Goliath.
Patrick Franziska, waren Sie jemals mit einer Mannschaft ein größerer Favorit als in diesem Achtelfinale mit dem amtierenden Triple-Gewinner 1. FC Saarbrücken-TT gegen einen Drittligisten?
Patrick Franziska: Ohne Frage sind wir in diesem Spiel großer Favorit. Wir kennen aber auch schon eine ähnliche Konstellation, denn 2017 haben wir im Viertelfinale gegen den TuS Celle auch schon einmal gegen einen Drittligisten gespielt.
Wie fielen in Bietigheim-Bissingen die Reaktionen bei Bekanntgabe der Auslosung mit dem Duell gegen Patrick Franziska und Co. aus?
Matthias Grünenwald: Als durch die Umstände klar geworden war, dass wir gegen Saarbrücken spielen, haben wir gleich einmal geschaut, auf wen wir denn im Viertelfinale treffen würden. Nein, ernsthaft: Wir freuen uns auf das Spiel, auch weil es durch unsere Kooperation mit Saarbrückens Ausrüster eine Art Familientreffen ist. Es wird für uns in jedem Fall ein total schönes Erlebnis. Ich hoffe natürlich auch, dass Saarbrücken in Bestbesetzung kommt, dass Patrick und Hugo wirklich spielen, sodass wir gegen diese absoluten Topstars spielen und uns entsprechend beweisen dürfen.
Saarbrücken schaffte in der vergangenen Saison im Viertelfinale beim damaligen Zweitliga-Schlusslicht Union Velbert erst im Schlussdoppel den Einzug ins Liebherr Pokal Final4. Sind die eigenen Gesetze des Pokals vor Nürnberg ein Thema in Ihrer Mannschaft?
Patrick Franziska: Man hat auch in Velbert wieder gesehen, wie schnell es gehen kann. Viele Spieler sind mittlerweile sehr, sehr stark, und deshalb muss alles erst einmal gespielt werden. In solchen Spielen ist immer wichtig, dass man direkt von Anfang an da ist, dass man zeigt, der Favoritenrolle auch gerecht werden zu wollen. Darauf konzentrieren wir uns.
Matthias Grünenwald, machen Saarbrückens Probleme im vorigen Jahr in Velbert Ihnen realistische Hoffnungen auf die eigenen Gesetze des Pokals?
Matthias Grünenwald: Ja, es war eng für Saarbrücken in Velbert. Aber wir haben nicht solch einen Spieler wie Velbert voriges Jahr in eigener Halle mit Wim Verdonschot. Deshalb denke ich, dass im Gegensatz zum Fußball oder anderen Mannschaftssportarten in unserer Sportart mit Einzelakteuren kaum mit einer Überraschung zu rechnen sein dürfte. Wenn Du auf den einzelnen Positionen klar unterlegen bist, ist es doch eher schwierig etwas zu holen. Aber auch wenn es wohl eine klare Nummer ist, werden wir natürlich alles versuchen.
Patrick Franziska, die Personalstrategie Ihres Klubs mit zwei Champions-League-Jokern lässt auf die Königsklasse als wichtigstes Ziel Ihrer Mannschaft für die erste Saison nach einem Umbruch im Team schließen. Der Pokal hingegen bietet den kürzesten Weg zu einem Titel. Wie wichtig ist der Wettbewerb für Saarbrücken als Titelverteidiger gerade in dieser Spielzeit?
Patrick Franziska: Ich würde nicht sagen, dass die Champions League unsere oberste Priorität ist. Immerhin hatten wir einen Truls Möregardh schon in den vergangenen beiden Jahren in unserem Champions-League-Aufgebot, und wir wissen noch nicht sicher, wie oft Oh Junsung spielen wird. Er ist als Backup gedacht, weil wir eben alle so viele Spiele und Turniere haben. Deshalb versuchen wir schon, in jedem Wettbewerb weit zu kommen und um die Titel mitzuspielen, auch wenn wir wissen, dass in dieser Saison Düsseldorf natürlich der große Favorit ist.
Das ist bei uns jetzt nicht speziell nur auf die Champions League ausgelegt, sondern der Pokal ist tatsächlich der kürzeste Weg zu einem Titel, und deshalb ist der Pokal in Anführungszeichen auch der einfachste Titel, weil man am schnellsten zum Ziel kommen kann. Das gilt aber für alle Mannschaften und deshalb werden wir da alles reinlegen, um uns für das Final4 zu qualifizieren.
Wann ist für Bietigheim-Bissingen die Reise nach Nürnberg als gelungen oder gar als Erfolg zu bezeichnen?
Matthias Grünenwald: Es wird ein tolles Erlebnis, dass wir dabei sind. Es ist auch etwas, auf das wir uns total freuen. Wir sind aber jetzt nicht stolz darauf, weil wir gar nichts dafür geleistet haben. Wir sind stolz darauf, in der vorigen Saison deutscher Mannschaftsmeister mit der U15-Jugend geworden zu sein, das war unsere harte Arbeit Tag für Tag in der Halle, aber für Nürnberg sind wir einfach nur voller Vorfreude.
Verändert das neue Grand-Opening-Format mit Achtel- und Viertelfinale an einem Wochenende die Vorbereitung auf den Pokal?
Patrick Franziska: Alles an einem Wochenende – das ist zumindest für uns Spieler gut und macht es für uns jedenfalls nicht schwieriger. Ich glaube, man kann sich dadurch bei einem so großen Event tatsächlich besser vorbereiten, auch hinsichtlich Gegebenheiten vor Ort mit Tischen und Bällen. Es ist meiner Meinung nach außerdem für alle auch schön, alle Spieler einmal an einem Ort zusammen zu haben.
Matthias Grünenwald, welchen Stellenwert hat die Teilnahme am Grand Opening für Ihren Verein?
Matthias Grünenwald: Jetzt ist für uns ein Erlebnis, wir können mal reinschnuppern, wie das so ist, bei so einem großen Event dabei zu sein. Vielleicht lecken wir dann auch Blut und nehmen uns vor, es öfter aus eigener Kraft wieder dorthin zu schaffen. Mittelfristig ist ja unser Ziel, auch mal Zweitligist zu werden und vielleicht dann als ambitionierter Zweitligist auch einmal so einen Sprung zu schaffen. Wenn wir uns dann für das Grand Opening qualifizieren, wäre das wirklich nochmal ein Riesen-Highlight.
Patrick Franziska, Sie können persönlich bereits auf vier Pokalsiege zurückblicken. Welcher Moment im Pokal ist Ihnen besonders wertvoll?
Patrick Franziska: Alle Pokalsiege waren natürlich schön. Aber wenn ich einen herausheben muss, würde ich den Titel von 2021/2022 nennen. Es war damals zwar Corona und deswegen keine Zuschauer in der Halle erlaubt, aber es war kurz nach meiner Hochzeit, und außerdem waren wir im Halbfinale gegen den Post SV Mühlhausen gefühlt schon draußen gewesen und haben das Ding am Ende aber dann noch im Finale gegen Düsseldorf gezogen. Aus diesen Gründen ist mir 2022 trotz aller anderen auch schönen Titel am besten in Erinnerung.
Matthias Grünenwald und Patrick Franziska, vielen Dank für das Gespräch.
Florian Manzke
Beitragsbilder oben: Patrick Franziska vom 1, FC Saarbrücken-TT (Foto: BeLaSportfoto) und Matthias Grünenwald (Foto: Website des TTC immoXone Bietigheim-Bissingen)








